Ratgeber · Stand: Oktober 2026 · Werte 2026

SVS-Nachzahlung: Warum sie kommt, wann sie kommt – und wie du sie vermeidest

Fast jede:r Selbstständige in Österreich erlebt es: Zwei, drei Jahre nach der Gründung kommt Post von der SVS – mit einer Nachzahlung über mehrere tausend Euro. Das ist kein Fehler, sondern System. Hier erfährst du, wie es funktioniert und wie du vorbereitet bist.

Warum gibt es überhaupt eine Nachzahlung?

Die SVS kennt dein Einkommen erst, wenn das Finanzamt deinen Einkommensteuerbescheid erlassen hat. Bis dahin schreibt sie vorläufige Beiträge vor:

  • In den ersten drei Jahren auf Basis der Mindestbeitragsgrundlage: 2026 sind das 551,10 € pro Monat. Daraus ergeben sich rund 161 € Beiträge im Monat (Pensions-, Kranken-, Unfallversicherung und Selbständigenvorsorge).
  • Ab dem vierten Jahr auf Basis deiner Einkünfte von vor drei Jahren, aufgewertet mit einem Faktor (2026: 1,181).

Sobald der Bescheid vorliegt, berechnet die SVS die endgültigen Beiträge und vergleicht sie mit den vorläufigen. Die Differenz ist die Nachzahlung (oder eine Gutschrift). Diesen Vorgang nennt die SVS Nachbemessung.

Wie wird die endgültige Beitragsgrundlage berechnet?

Ausgangspunkt sind deine Einkünfte laut Einkommensteuerbescheid. Weil du die SVS-Beiträge steuerlich absetzt, rechnet die SVS die im Jahr vorgeschriebenen Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge wieder hinzu. Die Summe wird durch die versicherten Monate geteilt und ist nach unten (551,10 €) und oben (8.085 € pro Monat) begrenzt. Darauf fallen 2026 an:

ZweigSatz
Pensionsversicherung18,5 %
Krankenversicherung6,8 %
Selbständigenvorsorge (keine Nachbemessung)1,53 %
Unfallversicherung (fix, keine Nachbemessung)12,95 € / Monat

Erleichterung für Gewerbetreibende: In den ersten beiden Kalenderjahren wird die Krankenversicherung nicht nachbemessen – dort bleibt es beim Mindestbeitrag. Die Nachzahlung in diesen Jahren betrifft also vor allem die Pensionsversicherung.

Wann ist die Nachzahlung fällig?

Die SVS schreibt Nachbelastungen nicht auf einmal vor, sondern in vier Teilbeträgen. Der erste kommt im ersten Quartal des Jahres nach der Nachbemessung. Bei einer Gründung 2026 und Steuererklärung bis Juni 2027 sieht das typischerweise so aus:

  • 2026: du zahlst nur die Mindestbeiträge,
  • 2027: Einkommensteuerbescheid für 2026 → die SVS bemisst nach,
  • 2028: die Nachzahlung für 2026 kommt mit den Quartalsvorschreibungen (Ende Februar, Mai, August, November).

Lässt du die Steuererklärung über eine Steuerberatung machen, kommt der Bescheid oft erst ein Jahr später. Alles verschiebt sich dann – und mehrere Jahre können dicht hintereinander fällig werden.

Beispiel: 40.000 € Gewinn ab Jänner 2026

Gewerbetreibende:r, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, 50.000 € Umsatz, 10.000 € Ausgaben, Steuererklärung selbst. So verteilen sich die Zahlungen an SVS und Finanzamt laut unserem Rechner:

JahrZahlungen gesamtWas steckt drin?
20261.930 €nur vorläufige SVS-Mindestbeiträge
202712.189 €Einkommensteuer 2026 (5.029 €) + erste Vorauszahlung 2027 (5.230 €) + SVS-Mindestbeiträge
202812.172 €SVS-Nachzahlung 2026 (5.213 €) + Vorauszahlung 2028 + SVS-Mindestbeiträge
2029≈ 20.000 €höhere vorläufige SVS ab dem 4. Jahr + Nachzahlung 2027 (abzüglich Gutschriften rund 18.245 €)

Im Gründungsjahr wirkt alles harmlos. Die Rechnung kommt mit zwei bis drei Jahren Verzögerung – dann aber gleich für mehrere Jahre gleichzeitig. Darum spricht man vom „verflixten 3. bzw. 4. Jahr“. Wer ab dem ersten Monat rund 854 € pro Monat zurücklegt, ist vorbereitet.

Drei Wege, die Nachzahlung zu entschärfen

  1. Rücklage bilden. Leg jeden Monat einen fixen Betrag auf ein eigenes Konto. Den passenden Betrag zeigt dir der Rechner.
  2. Vorläufige Beitragsgrundlage erhöhen. Du kannst bei der SVS beantragen, dass deine Beiträge laufend auf Basis deines erwarteten Einkommens vorgeschrieben werden. Netter Nebeneffekt: Weil SVS-Beiträge im Jahr der Zahlung absetzbar sind, sinkt deine Einkommensteuer im selben Jahr. So geht der Antrag.
  3. Ratenzahlung beantragen. Nachbelastungen aus den ersten drei Kalenderjahren kann die SVS auf Antrag auf zwölf Quartale verteilen.

Häufige Fehler

  • Die vorläufigen Mindestbeiträge für „die SVS“ halten – und den Rest ausgeben.
  • Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen vergessen, die nach dem ersten Bescheid zusätzlich starten (mehr dazu).
  • Als Neue:r Selbständige:r die Überschreitung der Versicherungsgrenze (6.613,20 € Einkünfte) nicht melden – dann kann ein Beitragszuschlag dazukommen.

Wie viel musst du zurücklegen? Der kostenlose Rechner zeigt dir SVS, Einkommensteuer und Vorauszahlungen Jahr für Jahr – mit allen Zahlungsterminen.

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Quellen: svs.at, usp.gv.at, wko.at, RIS (EStG, GSVG). Alle Angaben ohne Gewähr.